Patentag 2016

Solidarität ist wichtig

Über 30 engagierte Paten, Sozialpädagogen, Lehrkräfte waren am 21. September 2016 zum diesjährigen Patentag nach Darmstadt gekommen um sich über die  Arbeit mit den jungen Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf auszutauschen.

Heike Miehe, Geschäftsführerin des Ausbildungsnetzwerkes st.ark wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass dieser Patentag nun schon im 10. Jahr ausgetragen wird und es immer wieder spannend ist zu beobachten,  wie viele neue Gesichter hinzukommen, aber auch viele bekannte Paten immer noch aktiv dabei sind. 

Auch dieses Jahr spielte die Frage des „richtigen“ Umgangs mit Jugendlichen, die Erwartungshaltungen der Erwachsenen  als Pat*in wieder eine  sehr zentrale Rolle. Sehr  intensiv  wurde über konkrete  Problemfälle die Paten mit den jugendlichen hatten geredet und verschiedene  Ansätze des Umgangs  miteinander diskutiert .   Dank der Moderation von Christine Maurer, die schon jahrelang Ehrenamtliche als Coach unterstützt, nahmen die Teilnehmer*innen wertvolle  Anregungen für die weitere Arbeit mit nach Hause.

Aber es hat sich auch einiges in der Patenarbeit geändert. Die zunehmende Digitalisierung in der Ausbildung, verändert auch die Anforderungen an die jungen Menschen. Wie können Ehrenamtliche Jugendliche beraten und vorbereiten, die sich für Ausbildungsgänge in der Industrie interessieren. Hierzu lieferte  Wolfgang Michel, Ausbildungsleiter der Continental Automotive GmbH, in Babenhausen den Teilnehmer*innen wichtige Informationen.

Peter Holnick, Geschäftsführer am Institut für Medienpädagogik und Kommunikation beim Landesfilmdienst Hessen e. V., zeigte auf, wie Ehrenamtliche die neuen Kommunikationswege per WhatsApp und Co für die Kommunikation nutzen können und worauf sie zu achten haben.

Die aktuelle Diskussion um die Integration von jungen Flüchtlingen in Ausbildung war ebenfalls  Schwerpunktthema.  Theo Fernau, Geschäftsinhaber und Ausbilder schilderte seine ersten Eindrücke mit Flüchtlingen in der Ausbildung und unterstrich wie wichtig es ist ihnen eine Chance einzuräumen,  in unserer Gesellschaft  Fuß zu fassen.  Unterstützt wurde dieser Workshop weiter  von Eva Isselstein, Flüchtlingsberaterin beim Diakonischen Werk.

 „Keine Gesellschaft kann sich menschlich nennen, wenn sie das Schicksal ihrer Armen und Benachteiligten aus dem Blick verliert oder die Schuld bei anderen Armen sucht und diese zum Sündenbock macht. Wenn wir an die Würde des Menschen glauben, ist es notwendig, für einander  Sorge zu tragen.  Entsolidarisierung hat immer da ein leichtes Spiel, wo Menschen enttäuscht sind, wo sie sich zu kurz gekommen vorkommen, wo sie sich um Chancen gebracht fühlen.“  Mit diesem Zitat des Kölner Kardinals Woelki unterstrich Richard Kunkel, Betriebsseelsorger im Bistum Mainz und Koordinator der katholischen SymPaten in Gießen,  wie wichtig die Solidarität der Paten mit den  jungen Menschen im Übergang in den Beruf ist.

 Der diesjährige Patentag wurde organisiert von den SymPaten des Bistums Mainz, dem Ausbildungsnetzwerk st.ar,k und den OloV Beauftragten des Landkreises Darmstadt Dieburg.

Allen Beteiligten dafür ein herzliches Dankeschön und in der Fotogalerie  finden Sie weitere Fotos von dem Treffen.

Jugendliche fit für die Berufswelt machen

Diese Menschen unterstützen Jugendliche, wenn es eng wird - das st.ar.k-Netzwerk in Groß-Umstadt:

von links: Stadtrat Diethard Kerkau, Pate Gerald Schäfer, Koordinatorin Annette Claar-Kreh, Torsten Burger
 (Barmer GEK), Dagmar Waldkirch (Rektorin ERS), Rakna Poth (Berufsberatung der Agentur für Arbeit), Patin
Claudia Fröhlich, Usch Eilmes (Jugendberufshilfe / Diakonisches Werk),Sabine Langer (Kirchenvorsteherin),
Pate Wolfgang Durst - Foto: Heike Miehe
 

Miese Noten? Keine Lust auf Lernen? Die Schule kann für Jugendliche eine harte Zeit sein. Doch es gibt Menschen, die genau diesen Jungen und Mädchen helfen – und das mit viel Erfolg: die ehrenamtlichen Ausbildungspaten des st.ar.k-Netzwerks. Neue Paten sind willkommen.

Beim letzten st.ar.k-Netzwerktreffen am 23.05.2016 in Groß-Umstadt gab es strahlende Gesichter der Paten: Wieder einmal hatte ein Schüler einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Keine Selbstverständlichkeit, denn vor einem Jahr sah es noch anders aus: Keine Lust, keine Ahnung und vor allem viel Angst vor dem nächsten Lebensabschnitt. Aber die Paten Claudia Fröhlich, Gerald Schäfer und Wolfgang Durst kennen das. In vielen Gesprächen begleiten sie Schülerinnen und Schüler der letzten beiden Abschlussklassen beim Übergang Schule-Beruf.

Einfühlen und Orientierung geben

Sie bringen Zeit, Geduld, Erfahrung und Kompetenzen mit und bewerten die Schüler weder nach ihrer Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Fröhlich war Familienfrau, Durst arbeitet bei Merck und Schäfer ist Pilot. Drei unterschiedliche Typen mit enormem Alltagswissen. 

„Die Paten leisten einen unschätzbaren Dienst: Sie hören zu, zeigen Wege auf und motivieren Schüler, die das wollen“, sagt Annette Claar-Kreh, Koordinatorin der Stark-Netzwerke vom Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald.

Schulrektorin zeigt Anerkennung

Das schätzen inzwischen auch die Lehrer, denn die Paten sind einzelnen Klassen zugeordnet. Für den Switch sorgt Dagmar Waldkirch, Rektorin der ERS und Übergängebeauftragte. Sie weiß: „Manche Jugendliche brauchen einfach bis es Klick macht. Gut, wenn es mehrere Ansprechpartner gibt.“

Das Netzwerk hofft, dass auch Stadt und Unternehmen in der Region von der Arbeit profitieren und dankt für die Zusammenarbeit im Netzwerk. Dort bringen auch Berufsberatung, Jugendberufshilfe, IHK und Barmer GEK ihre Ressourcen ein. „Das Netzwerk hat also die Jugendlichen von vielen Seiten im Blick. Wir hoffen, dass keiner verloren geht“, formuliert Claar-Kreh das Anliegen der Evangelischen Kirche.

Weitere ehrenamtliche Paten sind willkommen!

Wer sich als Pate engagieren möchte und Jugendlichen beim Start in die Arbeitswelt helfen will, kann sich an uns  wenden.

 

Malen, um Stärken zu entdecken - Ein Projekt in Dieburg

     

 

Erst zwei Jahre besteht das STARK-Netzwerk an der Landrat-Gruber-Schule und der Anne-Frank-Schule in Dieburg, das Jugendlichen ein Angebot zur Berufsorientierung gibt. Trotzdem zeigt sich auch hier schon jetzt die Stärke durch das gemeinsame Engagement von ehrenamtlichen Paten, Lehrern und Berufsberatung. Die Paten bringen viel Herzblut, Wissen, Erfahrung und Ideenreichtum ein, um einen Zugang zu den Jugendlichen zu erhalten und mit ihnen ihre Stärken zu erkunden.

Das Netzwerk zeigt noch weitergehendes Engagement und gab die Anregung zu einem kreativen Angebot für „seine“ Jugendlichen an den beiden Dieburger Schulen LGS und AFS. Denn leider bleibt Heranwachsenden in unserer leistungs- und konsumorientierten Welt kaum eine Nische, in der sie frei von Ansprüchen und Bewertungen ausprobieren können, welches Potential in ihnen steckt. So kam es im letzten Frühjahr zu einem Mal-Workshop, der von 8 Schülern der beiden Dieburger Schulen freiwillig zusätzlich zum regulären  Unterricht besucht wurde.  Die Eppertshäuser Werner Frank (Atelier für Ausdrucksmalen), der auch als Pate für das Netzwerk tätig ist  und Christoph Ciolek,  Künstler und pensionierter Kunstpädagoge, leiteten den Workshop. Die Landrat-Gruber-Schule stellte einen geeigneten Raum bereit. Das Material wurde großzügig durch eine Spende der Stiftung MitMenschen PSD-Bank Hessen-Thüringen e.G. finanziert, die immer wieder Projekte der STARK-Netzwerke unterstützt.

Die Jugendlichen waren unerschrocken und sehr experimentierfreudig. Mit Pinsel, Spachtel, Schwamm, den bloßen Händen oder direkt aus der Tube  wurde die Farbe aufgetragen, vorsichtig, kräftig, zufällig oder gewählt. Bilder veränderten sich rasant oder entwickelten sich bedächtig über mehrere Termine. Einige der Jugendlichen arbeiteten als Team an einem Bild, andere für sich. Eine bemerkenswerte Vielfalt abstrakter und gegenständlicher Bilder auf großformatigem Papier und Leinwänden entstand.  Dabei kam es an den Nachmittagen immer wieder auch zu Gesprächen und Austausch. Die sehr gelungenen Werke  wurden dann stilvoll im Rahmen des Tages der offenen Tür an der LGS präsentiert.

http://www.netzwerk-stark.de/index.php/ueber-uns/projektgemeinden/dieburg

10 Jahre Starthelfer in Birkenau - ein Grund zum Feiern

 

Die Starthelfer mit Dekan Arno Kreh und Pröpstin Karin Held beim Jubiläumsgottesdienst in Mörlenbach am 27. November 2014

Zehn Jahr haben sie Jugendliche unter die Arme gegriffen und sie buchstäblich stark gemacht. „Was Sie hier tun ist gelebte Nächstenliebe. Sie stehen den jungen Leuten mit ihrer ganzen Persönlichkeit und Zeit zur Seite. Bitte bleiben Sie und noch lange erhalten, wir brauchen Sie an der Langenbergschule.“ Mit diesen anerkennenden Worten fasste Schulleiter Berndt Brieskorn beim zehnjährigen Jubiläum der Starthelfer Birkenau zusammen, was die Paten für die jungen Leute bedeuten, die von seiner Schule aus nach dem Hauptschulabschluss in die Berufswelt starten. 70 Schüler haben die Starthelfer seit der Gründung der Initiative im Jahr 2004 begleitet, 60 davon haben einen Ausbildungsplatz im dualen Berufsbildungssystem bekommen und diese Ausbildung auch zum großen Teil abgeschlossen.

Wenn es Startprobleme gibt...

Das dies ohne Unterstützung nicht einfach ist, hatte Pate Karl-Heinz Böhler in seiner Funktion als Ausbildungsbeauftragter bei Unilever bei den Einstellungsgesprächen erlebt: „Ich konnte das einfach nicht fassen, das junge Leute auf die Frage: ‚Warum möchtest Du denn Energie-Anlagen-Elektroniker werden?‘ oder ‚Wie bist du denn auf Unilever gekommen‘ einfach nur mit den Schultern zuckten“, erinnert sich der gelernte Elektromeister. „Das kann doch nicht sein, dass diese jungen Menschen so unvorbereitet in so eine wichtige Bewerbungssituation hineingehen.“ Er sagte deshalb prompt zu, als die jetzige Mörlenbacher Pfarrerin und damalige Fachreferentin für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Bergstraße, Edith Unrath-Dörsam, ihn bat, als Pate im neu gegründeten Starthelfer-Netzwerk mitzuwirken.

... leisten sie  starke Starthilfe

So wie die neun weiteren aktiven Männer und Frauen im Netzwerk hat er seit dem jede Woche mindestens eineinhalb Stunden Zeit für seinen persönliche Schützling, leitet an bei den Bewerbungsschreiben, übt Bewerbungs-Situationen und Telefonate mit den Firmen. Vielleicht noch wichtiger: er spornt an und macht Mut, fordert aber auch Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Pünktlichkeit ein, weil er aus eigener Erfahrung weiß, dass das am Arbeitsplatz vorausgesetzt wird. “Mit der Zeit entsteht dabei eine feste Bindung, bei der die jungen Leute wissen: Auf den kann ich mich verlassen. Der hilft mir, wenn ich alleine nicht weiter weiß.“

Im richtigen Moment Mut machen

Dass wir alle solche Unterstützer brauchen und hatten, um heute dort zu sein, wo wir sind, daran erinnerte Pröpstin Karin Held in ihrer Predigt über das Buch Tobias beim Jubiläums-Gottesdienst am 27. November 2014, den sie gemeinsam mit Dekan Arno Kreh gestaltete: „Pack ihn!“ ruft da sein Reisebegleiter dem jungen Tobias zu, als dieser auf einer gefährlichen Reise in unbekannte Gebiete von einem gefährlichen Fisch angegriffen wird – und Tobias packt den Fisch bei den Kiemen und zieht ihn ans Land. „Solche Menschen, die im richtigen Moment da sind und Mut machen, die Herausforderungen des Lebens beherzt anzupacken, sind die Paten und Patinnen im Leben ihrer Schützlinge.“, so die Pröpstin.

Erinnerungen an gemeinsam betreute Schützlinge teilten beim anschließenden Empfang auch die zahlreich erschienenen Lehrer und Lehrerinnen der Langenbergschule mit den ehrenamtlichen Starthelfern. Sie sind wichtige Partner bei der Begleitung der Jugendlichen und tragen mit ihrem Engagement zum Erfolg des Projektes bei.

Auch die Ehepartner der Paten müssen voll hinter dem Engagement stehen. Denn die Paten brauchen einen langen Atem, viel Geduld und Zeit für ihre Schützlinge und so bedankte sich Starthelfer Koordinatorin Christiane Dittrich beim Jubiläum auch ausdrücklich bei ihnen. Seit 2008 organisiert sie die Arbeit des Netzwerkes vor Ort, hält Kontakt zu Betrieben, organisiert die Job-Messe, Kamingespräche mit Arbeitgebern, die Zusammenarbeit mit der Langenbergschule und gemeinsame Veranstaltungen wie die Weihnachtsfeier.
Text: Sabine Allmenröder,  Ev. Dekanat Bergstraße


 

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